[ schaelpic photokunstbar ]
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2019

Freitag, 12. Juli 2019:
Spiel der Spiegelungen und Bewegung
Experimentafilmabend

Freitag, 12. Juli 2019, ab 20 Uhr
Ort: schaelpic photokunstbar im Atelier für Mediengestaltung
Schanzenstr. 27, 51063 Köln, Tel. (02 21) 29 99 69 20
 

Spiel der Spiegelungen und Bewegung

Ein Experimentalfilmabend im Rahmen der Finissage der Ausstellung Momente in der Raumzeit in der schaelpic photokunstbar.

"Léopold Survage war, soweit bekannt, der erste, der Entwürfe für abstrakte Filme herstellte. Das Projekt RYTHMES COLORÉS POUR LE CINÉMA (1912--14) sollte eine Verbindung von Malerei und Bewegung sein, betonte also, wie viele französische Avantgardefilmer und -filme überhaupt, das Element der Kinetik. Die Spielerei und das Experimentieren mit der Bewegung war vielen französischen Filmen der Zeit zueigen. In den 20er-Jahren prägte Henri Chomette den Begriff des Cinéma pur [...]." (Hans-Dieter Delkus in: Avantgarde, Experiment & Underground: Absoluter Film. Cinéma Pur)

Chomette: "Filmrhythmus ist eine Potenz, die jenseits von Tatsachenlogik und Realität Visionen erzeugt, wie sie nur im Verein von Linse und Filmband zustande kommen. Was echter und auch 'reiner', von allen dramatischen und dokumentarischen Elementen befreiter Film sein kann, lassen einige Werke unserer subtilsten Regisseure ahnen. Dort erst beginnt die filmische Fabulierfreude, und hieraus kann sich einmal eine 'sinfonische Optik' entwickeln." (Hans Scheugl/Ernst Schmidt jr., Eine Subgeschichte des Films)

"Mit seinen beiden experimentellen Filmen CINQ MINUTES DE CINÉMA PUR (1925) und JEUX DES REFLETS ET DE LA VITESSE (1923/25) versuchte Chomette, dem gerecht zu werden -- eine sinfonische Optik zu entwickeln. In seiner Rasanz ist JEUX DES REFLETS ET DE LA VITESSE immer wieder verblüffend, in seiner Art immer noch unerreicht." (Delkus)

Der Schriftsteller und Avantgardefilmer Peter Weiss begeistert sich in Avantgarde Film: "[...] -- die Lampen und Lichtreklamen explodieren wie ein Feuerwerk, die Fahrt mit dem Seinedampfer und mit der Untergrundbahn geht in übernatürlichem Tempo vor sich -- im Bruchteil einer Sekunde klappt der Schornstein des Dampfers unter der Brücke zurück, die Kathedrale von Notre Dame, der Eiffelturm, die ganze Stadt huscht in einem einzigen Augenblick an uns vorüber, schwindelnd durchsausen wir die Schienenkurven in den Bahnstationen." (Peter Weiss, Avantgarde Film)

"In CINQ MINUTES DE CINÉMA PUR [...] entsteht durch Überblendungen eine Folge sich drehender, glitzernder Glas- und Kristallformen, die abwechselt mit Negativaufnahmen von Bäumen und Wasserspiegelungen." (Scheugl/Schmidt jr.)

Raum und Zeit lösen sich geradezu auf in diesen frühen Filmen des Cinéma pur. So kann eine Bahnfahrt auch unversehens auf dem Wasser enden, wo ein Schiffsdampfer im Zeitraffer auf der Seine hin- und herkurvt und die rasante Fahrt aufnimmt und weiterführt. Die Realität wird abstrakt behandelt, Abstraktion wird Realität. Es geht nur mehr ums Sehen, Schauen, Staunen -- um Musik für die Augen.

ENTR’ACTE von René Clair, dem Bruder von Henri Chomette, ist wohl neben Luis Buñuels UN CHIEN ANDALOU (F 1928) einer der berühmtesten avantgardistischen Filme jener Zeit. Er wurde des Öfteren dem Cinéma pur und auch dem Surrealismus zugeordnet, doch in erster Linie "ist der Film vom Dadaismus geprägt [...]." (Scheugl/Schmidt jr.)

Der Film war als (beiläufiger) Zwischenakt eines dadaistischen Balletts von Francis Picabia gedacht, doch das Publikum war von ENTR’ACTE derart fasziniert, dass es wie gebannt auf die Leinwand starrte, so dass Picabia, wütend, dass der Film (im Gegensatz zu seinem Ballett?) so viel Aufmerksamkeit erregte, ins Publikum rief: "Redet doch, redet, redet!" Und auch heute noch fasziniert der Film mit seiner Rasanz, dem ebenso verspielten wie einfallsreichen Einsatz filmischer Mittel, Zeitlupe und Zeitraffer etwa, und und und ...
Zudem geben sich in ENTR’ACTE zahlreiche Künstler jener Zeit ein illustres Stelldichein, darunter Francis Picabia, Man Ray, Marcel Duchamp, Antonin Artaud, Erik Satie, Georges Auric und viele andere mehr.

Das Programm

  • Henri Chomette: JEUX DES REFLETS ET DE LA VITESSE
    F 1925, s/w, 7 Min.
  • Henri Chomette: CINQ MINUTES DE CINÉMA PUR
    F 1923/25, s/w, 5 Min.
  • René Clair: ENTR’ACTE
    F 1924, s/w, 22 Min.

Die Filme werden analog vorgeführt.


Pressekontakt: Tobias D. Kern, Telefon: 0221.29996920



Fimstill aus JEUX DES REFLETS ET DE LA VITESSE von Henri Chomett
Fimstill aus JEUX DES REFLETS ET DE LA VITESSE von Henri Chomette